Huber Reisen
25. Apr. 2018

Winter in Finnisch Lappland

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Bearbeitet: 25. Apr. 2018

 

 

Am Tag an dem der Frühling und die warmen Temperaturen nach Deutschland kamen, hieß es für mich nochmal warme Wintersachen einpacken und ab, ins noch frostige Finnland. Angekommen am Frankfurt Flughafen empfingen uns schon die netten Flugbegleiterinnen der Finnair, mit der wir über Helsinki nach Oulu flogen. Bereits auf dem Flug von Helsinki nach Oulu wurden wir uns den endlosen, weißen Weiten, den unzähligen, eingefrorenen Seen und den dichten Wäldern bewusst, die Finnland zu bieten hat. Der Anblick der sich uns von hier oben bot, war grandios!

 

Finnland Facts #1: 75 Prozent der Fläche Finnlands ist bewaldet und es gibt mehr 188.000 Seen und das auf einer Gesamtfläche von nur 390.000 km2.

 

Nach Ankunft in Oulu und kamen wir nach kurzem Transfer schließlich in unserem ersten Hotel, dem Lappland Hotel in Oulu an. Das Haus überzeugte uns nicht nur durch sein edles Design und seiner skandinavischen Geradlinigkeit sondern servierte uns im hoteleigenen Restaurant auch den ersten, kulinarischen Höhepunkt der Reise. Am ersten Morgen ging es nach einem toll sortierten und liebevoll präsentierten Frühstück mit dem Bus in das finnische Outback, zur ersten Outdoor Lodge in Saija. Allein das Fahren durch diese tolle Winterlandschaft, die man in unseren Breitengraden nicht zu sehen bekommt, war eigens ein Highlight dieser Seminarreise. Als dann der Busfahrer von zähflüssigem Verkehr sprach, als uns auf einer Strecke circa 500 Metern drei Autos entgegenkamen, wussten wir spätestens jetzt vom kühlen aber herzlichen Humor der Finnen.

 

Die Überquerung des Napapiiris, auf Deutsch „Nördlicher Polarkreis“ wurde später nur noch gekrönt von der urgemütlichen Lodge am Jokijärvi See in Saija, in Mitten der zugefrorenen Wildnis. Die Gäste dieser Lodge dürfen sich auf Blockhütten im finnischen Stil freuen, bei der jedes Zimmer selbstverständlich über eine eigene Sauna und ein Eisloch im hoteleignen See verfügt (Achtung Kalt: 2°C Celsius Wassertemperatur). Der stilgerechten Teilnahme am finnischen Volkssport des „Saunierens“, steht somit nichts mehr im Wege. Einige der Blockhütten waren übrigens mit einer verglasten Zimmerdecke ausgestattet, sodass man die Polarlichter gemütlich aus dem warmen Bett beobachtet kann, ohne sich in die klirrende Kälte begeben zu müssen. Im Übrigen beheimatet die Lodge eine eigene Husky Zucht mit über 180 Tieren. Von hier aus starteten wir in den wahren Winterzauber der finnisch-lappländischen Wälder. Auf der Husky Safari lenkten wir unseren eigenen Husky-Schlitten mit jeweils fünf Tieren und hatten dabei die Möglichkeit mit den anmutigen Tieren auf Tuchfühlung zu gehen. Diese Tiere einmal mit eigenen Augen zu sehen und sich dann auch noch von ihnen mit einer wahnsinns Geschwindigkeit durch die Winterlandschaft ziehen zu lassen war einfach schon immer ein Traum von mir! Ich war überrascht wie aufmerksam und gehorsam die Tiere waren. Denn auch von uns „Anfänger“ ließen sie sich problemlos führen.

 

 

Und die Kälte? – Kein Problem!

Denn für jede Wintersportaktivität werden alle Teilnehmer mit wasser- und winddichten Winteroveralls, Schneeschuhen und warmen Fäustlingen ausgestattet, mit denen man alle Freiluftaktivitäten unbeschadet und komfortabel bestreitet. So steht dem vollkommenen Genuss nichts mehr im Wege.

Was mich besonders am Husky Erlebnis beeindruckte, war, dass die Hunde, wenn sie in „Pension gehen“, noch als „Lehrer“ für den Nachwuchs fungierten. Interessierte Gäste können sich übrigens jeder Zeit für einen Spaziergang mit den Tieren anmelden und eigenständig mit ihnen losziehen.

 

 

 

 

 

Nach einer deftigen Rentiersuppe, mit herrlich frischem Brot und im Anschluss finnischen Donuts ging es weiter nach Salla in die Holiday Lodge, die am Fuße eines kleinen Skigebietes lag, und welche den Ausgangspunkt für die folgenden Freizeitaktivitäten darstellte. In unserem Apartment fehlte es uns an nichts. Neben der obligatorischen Sauna, gab es sogar einen Wäschetrockner im Zimmer! Die gemütliche Atmosphäre der Zimmer entstand vor allem durch die rustikalen Möbel im finnischen Stil und die schlichten, aber stilvollen Deko-Elemente. Hier verbrachten wir zwei Nächte. Die Lodge war der ideale Ausgangspunkt für Alpinskifahren, Langlaufen, Schneeschuhwandern, Eislochfischen, „Fat-Biken“ mit oder ohne Motor, Rentiersafaris durch die Winterlandschaft oder Exkursionen mit dem Motor-schlitten. Die Aktivitäten können je nach Geschmack kürzer oder länger, schneller oder gemütlicher, an die Russische Grenze oder nur in den Winterwald ausfallen. Auf jeden Fall ist für jeden etwas dabei! Zum Abendessen gab es lokale Spezialitäten wie: Rentier, Saibling oder Lachs in allen möglichen Variationen, die mit einer ganz besonderen, kulinarischen Raffinesse zubereitet wurden. Am nächsten Morgen kleideten wir uns natürlich erst einmal den Temperaturen entsprechend ein, um erneut den eisigen Temperaturen trotzen zu können. Wer schnell friert, könnte auch bei extremer Kälte neben der üblichen Thermo-Unterwäsche noch einen besonders warmen Schneeanzug anziehen. Zu dieser Jahreszeit war dies aber nicht mehr nötig, da das Thermometer nur noch zwischen 0°C und -5°C anzeigte.

 

Finnland Facts #2: In der Reisezeit März wird es bereits um 7:00 Uhr morgens hell und um 22:30 erst dunkel. Jeder Tag bedeutet nun zehn Minuten mehr Licht! Vom 20. – bis 26. Juni heißt es dann: „Hauska Juhannusta! – Frohes Mittsommerfest!“. Sicherlich ein wahnsinnig tolles Erlebnis!

 

Warm ausgestattet, starteten wir dann zu den Stallungen der Rentiere, um eine herrliche Rentiersafari genießen zu dürfen. Natürlich bekam jeder Teilnehmer sein eigenes Rentier und den dazugehörigen Schlitten, der mit einem warmen Fell und einer Decke ausgelegt war. Auf dieser Safari kam es einem vor, als würde Weihnachten vor der Tür stehen. Die großen Flocken rundeten das weihnachtliche Ambiente natürlich vortrefflich ab! Mein Rentier hieß Dimitri und war ein tolles, kuscheliges „Tier“.

 

Ja, generell waren sie alle wahre Herzensbrecher. Das Ganze fand noch seinen Höhepunkt als wir die Mamas mit ihren Kleinen besuchen und füttern durften. Im Übrigen ist Salla der Halter des Weltrekords mit der längsten Rentiersafari mit über 60 Schlitten, die als geschlossene Karawane durch die winterliche Landschaft streift.

 

Die Nebenkosten, obwohl Skandinavien, waren im Übrigen weitaus günstiger als in Norwegen und Schweden. Auch das leidige und zeitraubende Wechseln von Bargeld bleibt uns Touristen in Finnland glücklicherweise erspart, da Finnland ja bekanntlich Mitglied der Euro-Zone ist. Einem entspannten Nordlandurlaub im Sommer oder Winter mit der ganzen Familie stünde somit nichts mehr im Wege. Wer kein Wintermensch ist, fährt im Sommer, denn auch in den Sommermonaten stehen unzählige Ausflugsziele und Sportaktivitäten, wie Reiten, Kanufahren, Fischen und Golfen zur Verfügung. Außerdem ist das Klima während der Mittsommerzeit besonders angenehm und es ist fast 24 Stunden am Tag hell. Nach den Lodge Besichtigungen stürzten wir uns erneut in die weiße Pracht. Dieses Mal aber mit Vollgas auf PS-starken Schneemobilen. Nach den traditionellen und eher gemütlichen Schlittenfahrten mit den Huskys und Rentieren, war das wirklich ein ganz anderes Erlebnis. Adrenalin Pur, bei so vielen „Rentieren/Husky-Stärken“ unter dem Hintern. Heutzutage sind die Motorschlitten in Finnland natürlich nicht mehr wegzudenken und das zeigt wieder einmal, wie sich Tradition und Moderne in diesem Land wunderbar vereinen lassen.

 

 

Der Ausflug mit den Motorbikes hat einen wahnsinnigen Spaß gemacht. Die Preise waren moderat und wenn man bedenkt, wie solche Touren in unseren Wintergebieten („einmal im Kreis fahren“) ausfallen, dann übertrumpft Finnland diese bei Weitem mit Preis-Leistung und vor allem Spaß!

 

 

Nebenbei gesagt, gibt es auch sehr viele Gourmetrestaurants in ganz Finnland. Dabei muss man aber auch gestehen, dass das Essen nicht nur so gut schmeckt, weil international bekannte Könner hinter den Töpfen stehen, sondern weil die Zutaten alle frisch und meist direkt aus der Region kommen. Dass sich Finnland im ökologischen Gleichgewicht befindet, merkt man nicht nur beim Flanieren durch die Natur, auch auf dem Teller schmeckt man, dass die Seen sauber, die Luft rein und die Produkte gesund und frisch sind!

 

Ein weiteres Highlight bot uns Markus, ein ehemaliger Kollege, der sich vor einigen Jahren dazu entschied Auszuwandern und in Finnland eine Eisbar zu gründen. Wir, als seine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen haben es sehr genossen ihn mal wieder zu sehen und in seinem umwerfenden Ambiente an einer Verköstigung lokaler Wodkas mit unterschied-lichen Geschmacksrichtungen teilzunehmen. Nächsten Winter wird er zusätzlich ein Eis Hotel mit wenigen, aber exklusiven Zimmern eröffnen. Stellt Euch vor in einem frostigen Iglu zu übernachten in dem aus Eis geschnitzte Möbel, Accessoires stehen und LED Lichter ein fantastisches, warmes und transparentes Ambiente schaffen. Dazu gebettet auf kuschlig-warmen Fellen und bequemen Kissen – ein Traum! Für mich ein Muss für jeden, der Finnland besuchen möchte! Sicherlich wird er auch einen Eisskulpturenschnitzkurs anbieten.

 

Der nächste Tag führte uns via Luosto nach Levi zur Main Event Location. Finnland zeigte sich an diesem Tag von der sonnigsten Seite, der Schnee glitzerte und der tiefblaue Himmel führte uns mental in eine Traumwelt, die ja tatsächlich vorhanden und für uns greifbar war. Während des kurzen Zwischenstopps in Luosto sahen wir, wie die Finnen das Wochenende genießen, nämlich beim Eislochfischen auf einem der zahlreichen Seen. Dicht aneinander gereiht hatten sich unzählige Finnen auf dem See versammelt und saßen gemütlich, wie Sonnenanbeter, vor ihrem Wasserloch. Bei einer meterdicken Eisdecke bestand natürlich keine Gefahr des Einbrechens, auch nicht für die eigens errichtete Showbühne, auf der allerhand mehr oder weniger Prominente ihr Bestes gaben und Lieder sangen. Gegen Abend trafen wir dann im LEVI SPA Hotel ein und nutzten die verbleibenden Sonnenstunden um den Ort selbst, das Break Sokos Hotel und das Levi Panorama zu besichtigen. Letzteres kredenzte uns ein fantastisches Abendessen, hoch erhaben und bei schönster Fernsicht über Levi.

 

Arbeit muss auch sein

Nach den eindrucksvollen Tagen in der Wildnis von Finnisch Lappland stand der neue Tag unter dem Stern eines langen, aber erfolgreichen Informationstags. In zahlreichen Workshops wurden wir fit gemacht zu den einzelnen Gebieten Finnlands und anderen nordischen Destinationen. Dieses konzentrierte Wissen ist wichtig, damit wir unsere Kunden einerseits mit persönlichen Eindrücken, andererseits mit notwendigen Know How zur Destination beraten können. Einen gelungenen Seminarabschluss stellte der Besuch im Rentier-Streichelzoo dar, wo wir die Tiere mit Heu und Moos füttern durften. Im Anschluss ging es für uns direkt auf die Aprés Ski Party mit Outdoor BBQ im Ravintola Vinkkari, dem Pistenrestaurant im Ortskern von Levi! Aprés Ski darf in einer Skidestination nicht fehlen und findet auch hier im Norden wie gewohnt täglich statt. Wer das nach dem Ski fahren gerne hat, kann sich da noch einmal ordentlich austoben, aber auch Nicht-Skifahren kommen auf ihre Kosten und können daran natürlich ebenfalls teilnehmen.

 

Der letzte Tag dieser umwerfenden Reise war für mich, als Alpin-Skifahrerin, mit dem Sporttag natürlich der krönende Abschluss. Von Schneesturm bis strahlenden Sonnenschein war alles mit dabei! Nach in Empfangnahme der Leihausrüstung, die bestens präpariert und auf dem neusten Stand war, ging es dann schon los auf die Pisten, die einiges zu bieten hatten. Zum Glück war Philipp dabei, der das Gebiet kannte und wir mit ihm alle Routen ausprobierten. Sogar die Weltcup Strecke war mit im Programm, die frisch gespurt und sehr schön zu fahren war. Die einzelnen Gondeln waren nach den Weltcupsiegern benannt. Da Finnland noch nicht bei vielen als Skisportdestination bekannt ist, muss man an den Skiliften nie anstehen und die Pisten sind bis abends fast jungfräulich und griffig. Der Neuschnee von der Nacht zuvor war zudem genial zu fahren und blieb uns den ganzen Skitag treu bestehen – der Kälte sei Dank!

 

Reisetipp: Die komplette Skiausrüstung kann vor Ort ausgeliehen werden. Für ca. 80€ bekommt man nicht nur den Tagesskipass, sondern man erhält die komplette Skiausrüstung leihweise „on top“ dazu. Ein weiterer Vorteil ist, dass man ohne mit viel Sportgepäck anreisen kann. Einzig und allein die Skibrille sollte man von zu Hause mitbringen.

 

Insgesamt war es ein sehr gelungener Tag für mich, bei der ich meiner Leidenschaft des Alpinskifahrens frönen konnte. Am Schluss waren wir gerade noch zu zweit auf der Piste! Glücklich über den sportlichen Tag sind war dann noch Shoppen gegangen. Die Kleider-marken, die wir fanden, gibt es bei uns in Deutschland leider nicht. Außerdem profitierte ich von den 60 Prozent Rabatt zum Saisonende und kleidete mich vorort direkt neu ein. Der nächste kalte Winter (vielleicht in Finnland) kann also kommen!

 

Unseren letzten Abend durften wir im Bergrestaurant TUIKKU feiern! Er begann mit einem schönen Glühwein zur Einstimmung auf das Kommende. Wie bestellt, waren zum Schluss des Abschiedsabends noch die Polarlichter zu sehen. Das war Gänsehautfeeling pur. Die grünen Nebelschlieren schlängelten sich fast eine Stunde über die klare Winternacht. Einen besseren Abschluss, einer solch einzigartigen und ereignisreichen Seminarreise hätte man sich wirklich nicht wünschen können!

 

Am nächsten Tag hieß es leider Abschied nehmen. Der Busfahrer chauffierte uns ein letztes Mal durch die traufhaft schöne Winterlandschaft nach Rovaniemi, dem Weihnachtsmanndorf, der zugleich unser Abflughafen war.

 

 

Aktuelle Beiträge
  • Huber Reisen
    Mai 29

    Tag 1 Unsere Reise nach Persien führte zunächst mit der Austrian Airlines über Wien nach Teheran. München war leider nicht pünktlich, so dass wir mit der Turkish Airlines via Istanbul mit 12 Stunden Verspätung in Teheran landeten, aber immerhin war TK so gnädig, uns trotz Warteliste mitzunehmen. Mit SKR hatten wir echt Glück, denn der Taxifahrer wartete bereits auf uns, als wir am Samstag Morgen gegen 06.00 Uhr in Teheran eintrafen. Das Ungewohnte war, dass ich ein Kopftuch auf iranischen Boden tragen musste und das direkt ab dem Zeitpunkt der Landung. Unser Zimmer stand bereit, es war noch eine Stunde Zeit bis zum Start der Rundreise. Ohne Koffer war das auch ziemlich schnell erledigt Die Gruppe war schon startklar und wir nach einem schnellen Frühstück ebenso! Unser Weg führte uns zunächst nach Hamadan. Unsere Reiseleiterin, die fröhliche Maryam, begrüßte uns. Das erste Geld den ‚Iranischen Rial‘ konnten wir auch gleich direkt bei ihr wechseln (Der Schalter am Flughafen hat uns einfach um eine“ 0“ betrogen, so dass wir nur mit ein paar wenigen Rial ausgestattet waren). 100.000 Rial sind gerade mal 0,75€ (grüner Geldschein) , 500.000 sind dann 3,75€ (lila Geldschein). Diese Farben sollten uns die ganze Reise beim Zahlen begleiten. Der erste Halt an der Raststätte zeigte uns schon, dass alles sehr preiswert ist und die Leute äußerst hilfsbereit und nett sind. Hamadan ist die kälteste Stadt im Iran, welche am Fuße des Elburzgebirges liegt. Im Winter fallen hier die Temperaturen auf bis zu -14 Grad. Wir besuchen das wichtigste Grabmal von den jüdischen Rettern Israels und zwar von Ester (was so viel bedeutet wie: schöne Frau) und ihrem Onkel Mordechai. Etwas untypisch ist, dass ein israelisches Grab im Iran gebaut wurde. Das Grabmal ist über 2700 Jahre alt. Auf Befehl des Königs der Mongolen wurde nachträglich dazu ein Kuppelbau errichtet. Die zwei Sarkophage sind aus Ebenholz und zeigen hebräische Schriftzeichen. Die Juden sind zwar eine Minderheit im Iran, aber sie leben friedlich neben den Moslems und haben sogar im Parlament eine eigene Vertretung! Danach besuchen wir noch das Grabmal von dem in Buchara (im heutigen Usbekistan) geborenen und berühmten Philosophen Avicenna. Er hat im Iran die Schulbildung vorangetrieben und ließ sogar Analphabeten an den Schulen unterrichten. Die Gebildeten zahlten weniger Steuern als das normale Volk. Avicenna hat sich alles medizinisches Wissen schon als 16jähriger selbst angeeignet. 175 Schriften wurden unter seinem Namen veröffentlicht, die er vor allem nachts verfasste! Tagsüber hatte er den Kranken geholfen. Sein Buch mit dem Titel ‚Genesung der Seele‘ war auch Aristoteles bekannt und sogar im Roman ‚Medicus‘ von Noah Gordon lassen sich Parallelen zu Avicennas Lebensgeschichte finden. Ein toller Wasserfall war der heutige Tagesabschluss, der mit leichten Schneefall überzuckert war. Hier erklärte uns Maryam erklärte noch die Darius Tafeln an den Felswänden. Das war natürlich auch Ausflugsziel vieler Iraner. Das traditionelle iranische Abendessen hatten wir uns nach dem langen ersten Tag wirklich verdient! Im gläsernen Restaurant hatten wir einen herrlichen Ausblick auf die Berge und auf unseren ersten Sonnenuntergang im Iran. Hier wurden uns erstmals die „Biere“ des Iran erklärt. Sie werden aus Malz gebraut, sind natürlich alkoholfrei und wenn man möchte, gibt es verschiedenste Geschmacksrichtungen wie Zitrone, Pfirsich, Ananas usw. Das wird dann als „Radler“ bezeichnet. Den Tee nehmen wir traditionell in einem Pavillon auf dem Boden ein. Nach der anstrengen Anreise und dem ersten langen Tag der Rundreise fielen wir dann nur noch ins Bett. Tag 2 Bei strahlendem Sonnenschein verlassen wir Hamadan und fahren entlang der 3500m hohen, schneebedeckten Gebirgskette des Alvand. Heute haben wir eine Fahrstrecke von ca. 500 km nach Teheran vor uns. Mariam erklärte uns in der Zwischenzeit das Iranische Schulsystem, das sehr interessant und dem Unseren nicht ganz weit entfernt ist. Der Unterschied liegt vor allem darin, dass es viele Privatschulen für die finanziell Bessergestellten und deren Kinder gibt. Diese sind natürlich gebührenpflichtig. Allerdings sind die staatlichen Schulen wesentlich strenger und für einen Abschluss entscheidet nicht das Geld sondern die individuelle Leistung. Die Schuluniformen sind sehr bunt. Mittlerweile besteht für die Mädchen erst ab einem Alter von 12 Jahren die Kopftuch Pflicht, früher musste die Hidschab bereits mit neun Jahren getragen werden. Religionsunterricht ist hingegen in allen Schulen und sowohl für Jungen und Mädchen verpflichtend. Die Glaubensausrichtung und das Gebet sind hingegen freiwillig. Hierbei geht es um die Aufteilung zwischen den Sunniten und Schiiten. Der Iran ist ein rein schiitischer Staat. Schiiten machen knapp 15 Prozent der Moslems aus und lassen sich ebenfalls Staaten wie Irak, in Qatar, Bahrain, Kuwait wiederfinden. Die iranische Bevölkerung zählt 80 Millionen, wobei 70 Prozent der Bewohner zwischen 25-45 Jahre alt sind. Die flächenmäßige Ausdehnung ist ungefähr fünfmal so groß wie Deutschland. Es gibt vier Jahreszeiten und vom Hochgebirge bis zur Wüste sind alle Landschafts- und Vegetationsformen vertreten. Der Iran kann sich aufgrund seiner umfangreichen Landwirtschaft vollständig selbst ernähren. Die wirtschaftlichen Embargos sind zumindest in dieser Hinsicht nicht existenzgefährdend für das iranische Volk. Außerdem hat sich der Iran seitdem beim In- und Export weiter in Richtung China und Korea orientiert. Unsere erste Station ist heute ein riesengroßes Höhlensystem auf einer Höhe von über 2000m, das zufällig entdeckt wurde. Man schätzt das Alter der Höhle auf circa 150 Millionen Jahre. Es soll die größte mit Wasser gefüllte Höhle der Welt sein, deren Wasserstand, je nach Jahreszeit und Witterung bis zu 14 m in die Tiefe gehen kann. Die Stalakmiten sind bis zu 50 cm lang und brauchen für diese Länge bis 50.000 Jahre des Wachsens. Der größte Stalakmit ist vier Millionen Jahre alt und erinnert an doch sehr an das männliche Geschlechtsorgan in Übergröße. Die alljährlich mit Wasser gefüllte Höhle kann nur auf Booten durchgequert werden. Auf unserer Fahrt bekommen wir nur eine kleine Vorstellung von der Größe der Höhle. Es soll im Übrigen bis jetzt nur ein Viertel der Höhle freigelegt worden sein. Auf dem weiteren Weg nach Teheran ist die Landschaft sehr landwirtschaftlich geprägt und besonders die vielen Ziegenherden fallen mir ins Auge. Angekommen fallen mir die zahlreichen Bilder von Märtyrer auf, auch in den Straßennamen sind ihre Namen präsent. Bei einer kurzen Pause auf einer Raststätte hält ein kleiner Lieferwagen neben uns. Ein kleiner, charismatischer Mann springt aus ihm heraus und kommt auf uns zu. Er schenkt uns Damen der Reisegruppe je einen kleinen Schokokuchen in Herzform. Es gibt sie also doch noch die wahren Gentlemen. Unser heutiger Abend wird für uns alle ein besonderes Erlebnis sein. Wir sind bei Maryams Familie zum Abendessen eingeladen! Es war ein sehr herzlicher Empfang! Die Familie lebt im Norden Teherans in einem Hochhaus, mit Blick auf die noch schneebedeckten Berge. Ihre Eltern, ihr Mann und ihre Geschwister sowie die Kinder sind zauberhaft und natürlich, wie soll es auch anders sein, exzellente Gastgeber. Neben Maryams Mann und den beiden Söhnen erzählt sie uns, dass ihr Papa höherer Angestellter war und jetzt in Rente ist. Die Mama fördert ein Sozialprojekt und lehrt jungen Iranerinnen das Nähen. Aus dem Verkauf der genähten Teile, wie Brotkörbchen, Deckelüberzüge, usw. können die Mädchen finanziell unterstützt werden. Die jüngste Tochter ist Englisch Lehrerin und hat Graphikdesign studiert. Die Bilder an den Wänden sind alle von ihr designet. Der Bruder ist verheiratet und lebt mit seiner schottischen Freundin im Ausland und die mittlere Schwester hat eine zauberhafte vierjährige Tochter. Sie kam in einer ganz besonders ausgefallen Tracht zum Treffen. Wir genießen den Abend in vollen Zügen und haben neben einem vorzüglichen Essen auch sehr interessante Gespräche geführt. Es gab als Vorspeise Auberginen Püree und als Hauptgericht Hühnchen mit Gemüse und Joghurtsoße, gemischten Salat. Dazu Safranreis mit Berberitzen. Tag 3 Der nächste Tag war dann dem Museen Teherans gewidmet. Zuerst ging es in das archäologische Museum, wobei viele Schätze in Berlin oder im Pariser Louvre, also außer Landes gebracht wurden und wir diese leider nicht bestaunt werden können. Wir sahen Trinkgefäße in Tierformen, Vasen mit natürlichen Motiven und in Glasvitrinen stellen sie Hockergräber aus. Zu zwei Drittel befanden sich diese in der Erde, das andere Drittel lag im Freien und darüber wurde eine Art Deckel platziert. Sehr schön war das Persepolis Relief aus der Achaämenidenzeit. Die Särge, der Leute aus Persepolis war aus Blackstone und Holz und der Deckel bestand ais Ton. Dieser wurde so lange feucht gehalten, bis sich jeder vom Toten verabschiedet hatte. Man drückte dazu seinen Finger in die feuchten Lehmmasse und je mehr Löcher auf Sargdeckel schlussendlich waren, desto mehr Einfluss und Ruhm hatte die Person zu Lebzeiten. Am selben Tag besuchen wir den Golestanpalast in der ersten Hauptstadt Persiens: Isfahan. Gegen 18. / 19. Jhd. wurde die Hautstadt, auch aufgrund des milderen und angenehmeren Wetters, nach Teherans verlegt. Der Palast war Krönungspalast für Schah Reza und Farah Diba. Rund um ist der Palast mit Bildern nach europäischen Vorbild bemalt. Grund hierfür waren die damals guten Beziehungen zu den Engländern. Weiter geht’s nun ins Juwelenmuseum, das nur von 14.00 bis 16.30 Uhr geöffnet ist. Wir wollten gleich die Ersten sein. Der Andrang dort ist nämlich sehr groß. Bei diesem Prunk und diesen unschätzbaren Wert der Juwelen ist das kein Wunder. Wir bestaunten den Thron im Original, das Diadem von Farah Diba und die wahnsinnig vielen Edelsteine aus aller Welt. Außerdem gab es einen rein mit Edelstein besetzten Globus (ich glaube er wog 27 kg). Das Meer war mit Saphiren ausgelegt, das Land mit Smaragden, wobei man es mit den Landpartien und den exakten Formen nicht so genau genommen hat. Der eigens für uns organisierte Reiseleiter hat uns schnell durch die Räume geführt. Die Ausstellung der Juwelen lag im Keller der Nationalbank im Hochsicherheitstrakt und gegenüber der Deutschen Botschaft. Eine Taschenuhr in Form eines Edelweißes hat mir ganz besonders gut gefallen. Weiter ging es dann auf die Aussichtsplattform des Telecom Towers. Der weitläufige und langgestreckte Brunnen zum Aufgang war mit berühmten Fußballer Comicfiguren gesäumt. Der Ausblick auf Teheran rundherum und der Ausblick mit dem angrenzenden Gebirge alleine war die Auffahrt schon wert. Der Bau des 435m Fernsehturms mit einem Drehrestaurant wurde uns anschaulich in einem Video erläutert. Nach den drei Museen, die doch anstrengend waren, hatten wir trotzdem noch Lust und Energie die Stadt auf eigene Faust weiter zu erkunden. Wir besuchen erst das Palladium, ein Shopping Center im Norden der Stadt und haben vor, das Abendessen auswärts des Hotels einzunehmen. Das von Mariam empfohlene Lokal „Diamont“ lag allerdings sehr versteckt. Ein sehr hilfsbereiter Einheimischer erklärte uns den Weg, meinte aber dann, dass es zu weit zum Laufen sei und fuhr uns kurzerhand mit dem Auto. Es sind genau diese Momente, die mich so nachhaltig beeindrucken und mir ein positives Bild über das Land und die Leute schenken. Tag 4 Heute fliegen wir in die Zwei-Millionen-Stadt Shiraz. Sie befindet sich auf 1480 Meter Höhe und ist bekannt als die Stadt der Rosen und Nachtigallen. Früher wurden hier Trauben am Fuß des Zagros Gebirges angebaut. Die Stadt hat eine flächenmäßige Ausdehnung von ca. 240 Quadratkilometern. Wir übernachten im Sedaregan Hotel (=Stern). Wenn man sich Shiras vom Norden her nähert, durchschreitet man das Koran-Tor. Der Reisende wird mit dem Koran gesegnet, erst dann darf er, laut einem Märchen, weiterreisen. Shiraz ist die Stadt der Liebenden und der schönen Gärten. Uns heißen angenehme 24 Grad und die einheimischen Bevölkerung herzlich willkommen („hosh amadid“). Das Symbol der Stadt ist die Zypresse, sie ist immergrün und steht für das „ewige Leben“. Die Stadt wurde in der Zand Dynastie (17 Jhd.) erbaut unter Wakil Karim Khan. Er war kein Kriegsmensch, sondern ihm war die Schönheit und Unversehrtheit der Stadt besonders wichtig. Deshalb plante er die Stadt mit zahlreichen Parks und Gärten. Das Zentrum bilden die Moschee, der Hamam und der traumhaft schöne und mit tollen Gewölben gestaltete Bazar. Nahe der Stadt wohnen viele Nomaden mit ihren bunten Kleidern in ihren aus Ziegenfell konstruierten Zelten. Die Nomaden ziehen aufgrund der ständigen Nahrungssuche für ihre Herden immer wieder weiter. Kurz nach Ankunft besuchen den berühmten Eram Garten. Karim Khan hat ihn bauen lassen und später hat er in der Anlage noch einen kleinen Sommerpalast für sich errichten lassen. Im Garten haben wir Asadi (Freizeit), bewundern die schönen Blumen und spazieren durch die schön angelegten Teile des Gartens. Anschließend besuchen wir den tollen Vakil Bazar. Der war sehr authentisch und architektonisch ein absolutes Meisterwerk. Es verlief alles mit einer unglaublichen Ruhe, trotz des Handelns, das natürlich schon üblich ist. Die Preise sind nicht überzogen wie auf den arabischen Märkten, wo man häufig gar keine Vorstellung mehr hat, was das jeweilige Teil wirklich wert ist. Es hat Spaß gemacht und ich habe einen türkisen Silberring erstanden. Die Vakil Moschee ist ein Meisterwerk, genauso der Hamam. Zum Abschluss trinken wir einen Kaffee auf dem großen Platz. Zurück geht es vorbei an der Kharim Khan Zand Zitadelle aus der Pahlevi Zeit. Abends entdecken wir das Hafiz Mausoleum. Im untergehenden Sonnenlicht wirkt der Garten besonders schön. Sehr viele Liebespaare nutzen diesen zauberhaften Moment und wandeln an diesem Abend umher. Er ist einfach traumhaft idyllisch und romantisch, zumal sich Maryam dazu entschließt ein Gedicht in persischer Sprache vorzulesen und Bettina dazu die deutsche Übersetzung. Ein berühmter Satz: „Wer sein Herz hier nicht schmelzen spürt, der hat wohl keines“, bleibt mir besonders im Gedächtnis. Der Erwerb eines Gedichtbandes ist ein absolutes Muss. Am Abend besuchen wir ein Restaurant in einem Gebäude, das früher ein Hamam war. Man spielt iranische Livemusik und das Ambiente ist wieder mal ein Traum. Als wir zum Hotel zurückkehren, statte ich einem Lebensmittelladen noch einen kurzen Besuch ab. Ich erstehe mich das „flavoured“ Malzbier mit Zitronen-, Ananas- und Pfirsichgeschmack. Natürlich habe ich mich wieder zum Kauf von iranischen Süßigkeiten hinreißen lassen. Der kurze Sprung in den Laden von der Ecke entwickelt sich nicht zum ersten Mal zu einem ausgedehnten und freundlichen Gespräch mit dem iranischen Besitzer. Dabei erfuhr ich, dass sein Bruder in Hamburg lebe und dort als Ingenieur tätig sei. Während den Gesprächen mit den Einheimischen versuche ich mein kleines persisches Vokabular, das ich bisher im Bus aufgeschnappt hatte, anzuwenden. Die Einheimischen freut es. „Tschande“ heißt: wieviel? „Gerune“: das ist teuer oder „arsune“: es ist billig, und „Chube“: das ist gut! „Nusetschan“ heißt: Guten Appetit, „Baleh“ heißt: ja und „no“ heißt: nein, danke ist: „sepass“ und „hodar hafez“ heißt: Auf Wiedersehen! Tag 5 Der nächste Tag beginnt mit dem Besuch der Nasir al Molk Moschee und deren unbeschreiblichen und farbenfrohen Lichtspielen. Die Fotos waren schon fast kitschig, aber dafür umso schöner. Weiter geht es in die Spiegelmoschee. Das Highlight ist das Mausoleum vom Bruder des Achten Imam. Nach der Besichtigung gibt es Tee und Gebäck und der Koran liegt aufgeschlagen auf einem großen Ständer auf dem Tisch. Nächster Programmpunkt ist der Ardeshir Babakan Palast in Firuzabad. Der aus Lehm und Stein erbaute Palast fällt in die Zeit der Sassaniden und der Herrschaft von Ardeshir. Der große Herrschaftskomplex liegt eingebettet in ein Blumenmeer mit allen möglichen Frühlingsblumen, die es bei uns schon gar nicht mehr gibt. Der Palast mit seinen gewaltigen Kuppelbauten und mächtigen Räumen zeugt bis heute von der bereits damals fortschrittlichen Wissen und Baukunst der Perser, bedenkt man, dass der Palast 220 n.Chr. bereits fertiggestellt war. Wichtig war immer der Feuertempel in der Mitte und die Squinches, die Ecken in den ansonsten runden Räumen. Ein Nomadisches Mittagessen haben wir uns nach dieser Besichtigung redlich verdient. Wir bekommen eine aus Gemüse und Hammel zubereitete Suppe mit roher Petersilie kredenzt. Dazu gibt es Dugh (ähnlicher wie das türkische Ayran). Als Vorspeise hatten wir Joghurt mit Bärlauch und als Nachspeise rundet ein Tee, hier mit Safranstange, das Mahl ab. Am Abend fahren wir auf eigene Faust mit dem Taxi zur Shah Tscheragh Moschee. Das Taxi kostet gerade mal 0,75 €. Die Moschee ist toll beleuchtet in dieser Vollmondnacht. Nach einem kurzen Spaziergang über den Bazar gelangen wir an den Eingang der Moschee. Diese dürfen wir Damen nur eingehüllt in geblümte "Bettlaken" betreten. Schah Tscheragh ist die in der iranischen Stadt Schiras liegende Begräbnisstätte von Amir Ahmad, auch genannt „König des Lichts“ und Mir Muhammad. Von da aus fahren wir zum Ferdosi Cafe, einem angesagten Studentenlokal am anderen Ende der Stadt, aber nicht weit von unserem Hotel entfernt. Den Abend lassen wir mit einem alkoholfreien Mojito ausklingen. Tag 6 Am Freitag ist unser großer Tag. Auf uns wartet die antike Hauptstadt des Achämenidenreich, Persepolis. Nach der Eroberung der Welt befahl der Perserkönig Dareios I. den Bau einer neuen Hauptstadt. 520 v. Chr. sollte Persepolis mit allem Luxus und Pomp die Größe der persischen Macht demonstrieren. Nach 200-jährigem Bestand wurde sie 330 v. Chr. von den Truppen Alexanders des Großen in Brand gesteckt. Der letzte Schah des Iran, Mohammad Reza Pahlavi, ließ 1971 Teile von Persepolis zur 2500-Jahr-Feier der Iranischen Monarchie restaurieren und mit touristischer Infrastruktur, Parkplätzen und Geschäften ausstatten. Die acht Jahre später einsetzende islamische Revolution ließ allerdings die Besucherzahlen auf etwa ein Zehntel (einige Hundert pro Tag) der ursprünglichen Größe sinken. Weiter geht’s auf das 1900m hoch gelegene Pasargade, dort wurde im Jahr 550 v. Chr. die Entscheidungsschlacht Kyros II und den medischen König Astyages ausgetragen. Nach dieser Besichtigung geht es weiter zur Achämeniden Nekropole Naqsh e Rostam, wo wir das Darius und Xerxes Grabmal bestaunten. Ganze vier Felsengräber sowie acht Reliefs wurden damals in den steil abfallenden Berg des Hossein Kuh geschlagen. Am Abend gehen wir in ein sehr authentisches kleines Fischrestaurant, namens Rodecke. Auf steilen Stufen nach oben erreichen wir die Gaststätte. Die Chefin kocht selbst und serviert uns frisch zubereitetes Fischcurry auf Salat, Kebab und als Nachspeise Dattelkugeln. Tag 7 Am Samstag fahren wir in Richtung Kerman, vorbei an einem riesigen Salzsee, dem Mahalur See, dessen Salzgehalt höher liegt als der, des Toten Meeres. Vorbei an Feigenplantagen, Mandelbäumen und vielen anderen Obst-, und Nussbäumen machen wir Rast bei einem Biobauern und erwerben getrocknete Feigen, Rosinen, Mandeln, Pistazien, Datteln, Erdnüsse und alles was das Herz begehrt. Kerman ist sehr traditionell und wirkt auf uns eher „altmodisch“ oder besser gesagt traditionell-konservativ. Die Stadt am Rande der Wüste liegt auf 1756 Metr über den Meeresspiegel und man merkt spürbar den Temperaturabfall mit Einbruch der Nacht. Gegen 19.00 Uhr kommen wir in der Stadt an, checken im Pars Hotel ein und machen uns direkt auf Weg in die Stadt zum Abendessen. Auf dem Rückweg entdecken wir noch einen tollen Süßigkeiten Laden, der so eine Art Kopie der Ritter Sport Schokolade in allen Farben verkauft. Sie ersetzen zwar nicht die Ostereier (es war Ostersamstag), aber bunt wird dadurch das iranische Osternest allemal. Tag 8 Am Ostersonntag steht der „Garten der Wüste“ an. Heute hat der 12. Imam Geburtstag und viele Iraner nutzen diesen Tag für ein Picknicken auf dem Land. Wir machen uns früh auf um die mittelalterliche Rayen Festung aus der safawidischen und qadscharischen Zeit zu besuchen. Sie besteht aus Lehmziegel, ist ca. 22.000 qm groß, hat 16 Wachtürme, zwei Feuertempel. Die sozialen Gesellschaftsschichten waren in der Stadt strikt getrennt. Es gab die: Handwerkerzentren, Viertel für die Bauern, Unterschicht und für die Elite. Als sich die Menschen dann dem Islam bekannten, veränderte sich das Stadtbild deutlich. So wurden beispielsweise die ehemaligen Gebetsnischen in Moscheen verwandelt. Heute gibt noch 22 Geschäfte und natürlich einen großen Bazar sowie ein Hamam. Auf dem Weg durch das iranische Hinterland fallen mir immer wieder die Drogenkontrollpunkte auf. Maryam erklärt, dass der Drogenhandel vor allem aus Afghanistan floriert und über Belutschistan die Schmuggelrouten durch den Iran laufen. An den Kontrollpunkten patrouilliert die iranische Polizei mit großem Aufgebot an Personal und Spürhunden. Eine aufregende Erfahrung das zu beobachten! Wir erreichen den Bagh e Shazeh (Prinzengarten). Ende des 19. Jhd. wurde diese Gartenpalastanlage am Rande der Berge von Mahan errichtet und er gehört zu den letzten Paradiesgärten in altpersischer Tradition. In dem Garten lernen wir dann eine Familie aus Donauwörth kennen, die ihre Eltern in Kerman besuchen und einen Ausflug in den Prinzengarten mit ihren beiden Söhnen machen. Tag 9 Am Ostermontag geht es schon weiter nach Yazd. Es wird ein langer Tag im Bus werden, denn wir werden 360km heute zurücklegen. Unseren ersten Tagesstop machen wir bei einem berühmten Eismacher im Dorf Kaputarjan. Diese kleine aber feine Erfrischung tut wahrlich gut! Nach kurzer Weiterfahrt kommen wir zu einer alten Karawanserei, ca 50 km vor Yazd. Die Räumlichkeiten wirken auf uns sehr traditionell und sehr authentisch. Auffallend sind die fehlenden Türen in der gesamten Anlage. Alles ist sehr luftig konzipiert und lediglich durch Vorhänge voneinander getrennt. In der Karawanserei Zain-aldin-Robat trinken wir Tee und essen Wassermelonen. Yazd ist die 12. größte Stadt im Iran und hat weniger als eine Millionen Einwohner. Ihre Blütezeit ging bis ins 18. Jhd. und die Bewohner waren Christen, Zoroaistrer und Muslime. Die Stadt ist eine Oase am Rande der Wüsten Dascht-e Kavir und Dascht-e Lut. Umgeben ist Yazd von Bergen des Zagrosgebirges, die bis über 4.000 Meter an Höhe messen. Yazd ist die älteste Stadt Irans und wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernann. Vor circa 3000 gründete sich hier der sogenannte Zoroastrismus. Außerdem ist Yazd bekannt durch seine unvergleichlichen Granatäpfel. Für heute Nacht bewohnen wir das für mich schönste Hotel auf der gesamten Reise, das Bahg Moschir Garden Hotel. Wie der Name schon sagt, besitzt dieses Hotel einen traumhaft schönen Garten, der von zahlreiche Wasserläufen durchzogen wird. In dieser Oase kann man sich nur wohlfühlen. Am Nachmittag geht es dann Richtung Altstadt, die komplett aus Lehmbauten besteht. Als erstes besichtigen wir die imposante Freitagsmoschee, die komplett in Blau gehalten ist. Der Turm der Moschee ist über 48 Meter hoch. Anschließend geht es gleich in den Bazar, der so viele Dinge in den Auslagen hat, die man unbedingt kaufen müsste. Tore, Türen und Bogen in allen erdenklichen Formen und Farben, zwischendurch quetschen sich auch noch Autos durch die engen Gassen. Man wird förmlich in die Geschäfte „gedrängt“. Dieses bunte und lebendige Treiben in der Altstadt zieht uns alle in seinen Bann. Am Ende besuchen wir ein Dachterrassen-Café und schauen aus sicherer Entfernung zu. Wir lassen uns den frischen Granatapfelsaft und dazu ein Stück Käsekuchen schmecken und genießen den Sonnenuntergang. Zurück im Hotel bedienen wir uns an einem sehr ansprechenden köstlichen Buffet. Anschließend besuchen wir noch das Garten Cafe und lassen den Abend alkoholfrei ausklingen. Ein spanischer Musiker rundet mit seinen Gitarrenspiel und Gesang den Abend ab. Ein schöner Spruch war angebracht: „Stellt Euch vor, es ist 1995 und es gibt kein Wlan! die Leute redeten da noch miteinander". „Cheili sipar“ oder Das gefällt mir gut! Tag 10 Und schon ist es Dienstag. Die Wüstenstadt Yazd ist die Märchenbuch-Version einer persischen Stadt. Überall stehen sandfarbene Lehmziegel-Gebäude und mittendrin befindet sich der Meydane Amir Chaqmaq Platz. Der Platz und die umliegenden Gebäude entstanden erst im 19. Jhd. Die Moschee wurde jedoch schon 1438 fertiggestellt. Neben der Freitagsmoschee ist sie das zweite große Bauwerk, das die Bauherrin Bibi Chatun erbauen ließ. Ein wirklich sehenswerter Arkadenbau und wenn man dann schon mal dort ist dann sollte man auf jeden Fall bei der berühmten Konditorei "Shirini Haj Khalife" vorbeischauen. Der zweite Stopp des Tages ist der Feuertempel des Zarathustra, wo wir viele Gläubige antreffen. Die Besonderheit des Feuertempels, der 1934 errichtet wurde, lodert in seinem Inneren. Dort brennt nämlich das Feuer aus Ardakan, dass seit dem Jahr 470 n.Chr. nicht erloschen sein soll. Das Buch der Zoroastrier ist die Avesta. Wie wir feststellen, gibt es sehr viele Parallelen zur Bibel. Im heutigen Mazdaismus, bzw. Zoroastrismus gilt Feuer als reinigende Kraft und wird mit der Wahrheit (Asha: Recht, Ordnung) gleichgestellt und entsprechend mit dem Amesha Spenta Asha Vahishta assoziiert. Es gibt drei Grade des Feuers: Atash Dadgah, Atash Adaran und Atash Behram, wobei letzteres das Heiligste ist. Von dort aus besuchen wir die Schweigetürme der Zoroastrier. Die Schweigetürme erinnern an die Bestattungszeremonien vergangener Zeiten und werden heutzutage aus hygienischen Gründen nicht mehr genutzt. Da für die Zoroastrier die Reinheit des Bodens heilig war, begruben sie ihre Verstorbenen nicht in der Erde sondern bahrten sie in den nach oben offenen Schweigetürmen auf. Die Leichnamen verweilten dort solange, bis sie von den Geiern gefressen wurden. Heute werden die Verstorbenen jedoch ganz normal beerdigt, sodass unweit der Türme ein Friedhof entstand. Die Geier und sämtliche Vögel, die sich hier bedienten, verschwanden vollkommen aus dieser unwirtlichen Gegend. Tag 11 Am nächsten Tag fahren wir über Nain nach Isfahan. Die Fahrt verläuft entlang der Ausläufer des Shir Kuh Gebirges, das über 4000 m hoch ist. In Nain angekommen, besichtigen wir die 1000jährige Freitagsmoschee mit ihrem Wintergebetskeller. Hier trifft die Ziegelbauweise auf eine besondere Baukunst mit Holzbalkenkonstruktionen. Die ca. 30.000 Einwohner Stadt ist bekannt für den Nain Teppich sowie für die Herstellung des Abas, einem warmen mantelartigen Überwurf aus Kamelhaar. Die Freitagsmoschee (Masjed-e Jom´e) ist die älteste und noch am besten erhaltene Moschee im persischen Raum und das bedeutendste Bauwerk der Stadt. Die Moschee stammt in ihren Anfängen aus der Abbasidenzeit. Sie hat nur ein Minarett. Wie auch die alte Freitagsmoschee in Isfahan wird der Kellerraum durch Alabasterplattensteine von der Decke her beleuchtet. Er wird durch hohe Säulengänge umschlossen. Der leicht überhöhte Mittelbogen an jeder der vier Hofseiten nimmt bereits das persische Vier-Iwan-Architekturkonzept vorweg. Von hier geht es weiter nach Isfahan. Ein Stopp an der 33 Bogen Brücke versetzt uns direkt ins Staunen. Der Platz ist sehr belebt und ein Treff für die Leute, die Fußball oder Backgammon spielen oder einfach quatschen. Ein paar Liebespaare flanieren über die zweistöckige Brücke, die unten und oben begehbar ist. Schön ist auch, dass der Fluss, Zayandeh Rud, Wasser führt. Es ist das erste Mal seit 7 Jahren. Vor allem die Bauern der Region freuen sich über das wertvolle Nass, da sie das Flusswasser für ihren Bewässerungsfeldbau nutzen. Die majestätische 33-Bogen-Brücke in der iranischen Stadt stammt aus der Regierungszeit der Safawiden und gilt als architektonisches Meisterwerk und als Wahrzeichen Isfahans. Wir checken im Hotel Venus ein und am Abend gehen wir ins Abbasi Hotel (einer umgebauten Karawanserei) zum Essen. Eigentlich wollen wir Ash (Eintopf) essen, aber draußen wird es ziemlich frisch und wir entschieden uns für ein leckeres Büffet im Restaurant. Ein Teppichhändler zeigt uns im Anschluss seine schönsten Stücke, er will ja schließlich auch was verkaufen. Wir bleiben standhaft, obwohl uns nicht leicht fällt. Ein blauer Seidenteppich mit einem typisch iranischen Motiv hat es mir besonders angetan. Er hat 164 Knoten pro Quadratzentimeter und es brauchte ca. vier Jahre ihn fertigzustellen. Auf dem Heimweg besuche ich noch ein paar Optiker. So richtig „peppige“ Gestelle gibt es leider nicht. Tag 12 Isfahan bedeutet so viel wie „Hälfte der Welt“. Die drittgrößte Stadt im Iran liegt 1570m hoch und hat circa Zweimillionen Einwohner. Es leben viele Handwerker und Industrielle in der Stadt. Auf der flachen Hochebene kann man auch gut Rad fahren, deswegen sind auch viele Radfahrer unterwegs und das in einem ganz schön schnellen Tempo. Heute am Mittwoch, den 24.04.2019, gibt es wieder Kultur pur. Wir besuchen den Meidan-e Imam Platz, einen Marktplatz, Gerichtsplatz und einen Festplatz. Wir entdecken auf dem riesigen Platz berühmte Bauwerke wie die Lotfollah-Moschee, die Imam Moschee und den Chehel Sotun Palast. Zunächst besuchen wir aber den 40 Säulen Palast, den Schah Abbas im 16. Jahrhundert erbauen ließ. Das Besondere bei diesem Palast sind die, wie der Name schon sagt, riesigen 40 Spiegelsäulen, die wie Diamanten im Licht glänzen. Die Königsmoschee ist genau wie alle anderen Bauwerke ein Teil der Umrandung des Platzes und fällt dabei schon von weitem durch ihre hellblaue Zwiebelkuppel auf. Doch auch die beiden hohen, türkisfarbenen Minarette, die herrlichen Mosaike und die wunderschönen Verzierungen machen die Königsmoschee am Meidan-e Imam Platz zu einem orientalischen Meisterwerk. Am Abend wird alles natürlich strahlend schön angeleuchtet. Weiter hinten leuchtet die herrlich gestaltete Kuppel der Lotfullah-Moschee an der Ostseite des Meidan-e Imam Platzes. Die kunstvoll gestaltete Kuppel besitzt einen türkisblauen Hintergrund und ist mit zahlreichen Ornamenten verziert. Bemerkenswert ist auch, dass die Moschee auch von Innen besonders kunstvoll hergerichtet wurde und einen sehr farbenfrohen Anblick bietet. Da hier auch die Damen des königlichen Gefolges zugelassen waren, wird sie auch als Frauenmoschee bezeichnet. Ein Kaffee im Garten brachte etwas Entspannung bei dem doch sehr intensiven Kulturtag. Auf dem Weg nach Hause reden wir mit einer Sportlehrerin und der Teppichhändler verriet uns ein sehr schönes Restaurant (Atigh). Für das Abendessen in einem wunderschönen Ambiente mit allem Drum und Dran zahlen wir knapp 7,50€. Tag 13 Der nächste Tag beginnt: „Salem Soberheh“! „Hub Habitam“? „Chube“!!! oder auch „Cheili Chube“! Wir spazieren wieder über eine tolle Brücke und danach geht’s ins Armenische Viertel zur Vank Kathedrale. Die Vank Kathedrale in der iranischen Stadt Isfahan ist die bekannteste und meist besuchte Kirche der ganzen Stadt. Die armenisch-apostolische Kathedrale befindet sich im armenischen Stadtteil Julfa und ist auch als „Kathedrale des heiligen Erlösers” oder „Kathedrale der heiligen Schwestern” bekannt. „Vank” bedeutet im Armenischen so viel wie Kloster oder Kirche. Das Museum, das wir hier besuchten, ist an der Erinnerung des Völkermordes in der Türkei gewidmet und widerspiegelt einen tiefen Einblick in die Verfolgung der Armenier. Es trifft einen tief, wenn man die Bilder sieht, wie die Leute verstümmelt, ausgehungert und verdurstet in die Wüste getrieben wurden. Derartige „menschenverachtende Handlungen “ habe ich bisher nur in Kambodscha gesehen. Des Weiteren sind hier viele Bücher ausgestellt, die einen geschichtlichen Überblick über die Armenier geben. Der Anteil an Armenieren ist mit 120.000 Menschen im Iran relativ hoch. Auch die Zoroastrier und Juden machen 10.000 Menschen aus. Die Läden sind sehr interessant, die meisten aber geschlossen, da wir um die Mittagszeit unsere Freizeit haben. Ein Kaffee mit Kuchen kostet hier zehnmal so viel wie im restlichen Iran. Auf dem Gelände wurde 1934 auf einem Grundstück indischer Parsen ein Feuertempel errichtet, dessen Feuer ebenfalls aus Ardakan stammen und seit 470 n. Chr. nicht erloschen sein soll. Den Abschluss bildet das Musikmuseum mit einem Live Konzert. Uns wurden die einzelnen Musikinstrumente erklärt. Gespielt wurde: Tom-Bagh, Hackbrett, Sufi Trommel und zwei weitere Seiteninstrumenten, die ich noch nie vorher gesehen hatte. Die Künstler leben ausschließlich von Spenden und in mir wächst der Drang diese Musikstätte unbedingt bekannt machen zu wollen. Am Abend fahren wir dann in ein legendäres Restaurant namens Sheherazad. Es gibt eine leckere Graupensuppe, Hauptgericht Huhn auf Granatapfelsoße mit Walnüssen. Diese Granatapfelsoße ist berühmt im Iran und es gibt sie nur zu wichtigen Anlässen oder Festtagen. Unser gemeinsames Abendessen war zugleich Anlass, Maryam für Ihre Arbeit zu danken. Barbara hat das richtig toll und emotional gemacht, fast wie eine Predigerin!!! Da heute Freitag ist, ist die Stadt weitestgehend autofrei, damit die Leute schön flanieren können. Natürlich gibt wieder einmal einen tollen Markt mit Ständen. Die beleuchtete 33 Bogen Brücke steht noch auf dem Programm und über den Gold Souk schlendern wir Richtung Fluss. Die Menschen zu beobachten, macht unendlich Spaß. Alles ist unterwegs, von Klein bis Groß, von Jung bis Alt und wir mittendrin. Ein paar Nachtaufnahmen auf der toll beleuchteten Brücke und dann marschieren wir den Fluss entlang zurück ins Hotel. Es ist unsere letzte Nacht im Iran. Tag 14 – Letzter Tag Frühmorgens verlassen wir das Hotel und geht es los zu einem kleinen Dorf namens Abyaneh. Da Wochenende ist, sind auch wieder viele Iraner unterwegs. Das Dorf liegt auf einer Höhe von 2235m und wir zweigen von der Hauptstraße ab und fahren 15 km die idyllische Straße hinauf. Weiter geht es in die Stadt des Rosenwassers und wieder mal der Teppiche, nach Kasan.Wir besuchen das Haus, besser ausgedrückt, das Herrschaftsanwesen der Kaufmannsleute Tabatayaneh. Alles ist sehr prunkvoll mit vielen Spiegeln verziert, was dazu einlädt, sich selber ins rechte Licht zu positionieren und viele Fotos zu knipsen. Alles ist aufwendig verziert und es gibt sogar Sommer- und Winterzimmer. Die Omas verbringen den Sommer im Halbkeller mit Blumensimsen, von dem alles beobachten können. Wir kaufen noch Rosencreme und lassen uns mit einer Pferdekutsche zum Bus bringen. Wieder in einem Traditionsgasthaus, dem Cafe Eshkeneh speisen wir vorzüglich. Das Ambiente einfach traumhaft. Es gibt wieder Buffet und wir können uns nach Lust und Laune bedienen. Suppe, Salat, Fleisch, Fisch, alles was das Herz begehrt. Barbara richtet auch eine Rede an unseren Busfahrer, der uns sicher und zuverlässig durch den nicht ganz einfachen Verkehr Irans chauffierte. Maryam hat es ihm übersetzt und ich glaube, er war sehr gerührt. Der Abschluss in Kashan war der Fin Garten, der aber leider so voll mit Menschen war, dass man die Ruhe und das „Grün“ gar nicht so genießen konnte. Gegen 20.30 Uhr erreichen wir den Flughafen und beziehen unser Stundenzimmer im IBIS Hotel, das gerade mal 5 Minuten zu Fuß vom Flughafen entfernt liegt. Der Abschied ist wie immer traurig, denn wir sind eine richtig eingeschworene Truppe geworden und Mariam muss gleich die nächste Gruppe für ganze drei Wochen übernehmen. Der Abschied ist sowohl herzlich als auch schmerzlich. Gegen 01:30Uhr in der Nacht brechen wir auf, Richtung Terminal und hoffen, dass der Rückflug dieses Mal reibungslos verläuft. Und ja. Dieses Mal starten wir pünktlich, das Gepäck ist da, und auch die Umsteigezeit in Wien mit einer halben Stunde reicht aus. Wir sind zurück. Gut gelandet und einer wundervollen Erfahrung reicher! Es war eine tolle Reise und sicherlich nicht die letzte in den Iran!!! .
  • Huber Reisen
    19. Sep. 2018

    Kurz vor Beginn der Seminarreise nach Namibia wurde Deutschland von einer vierwöchigen Kälteperiode heimgesucht. Die Natur lag unter einer dicken Eisschicht begraben und unsere Eichstätter Nachbarn konnten sogar auf der Altmühl Schlittschuhfahren. Die Entscheidung, die kältesten Tage des Jahres durch afrikanische Hitze und roten Wüstensand zu tauschen, fiel mir dementsprechend leicht. So ging es Anfang Februar auch schon los! Ein angenehmer Nebeneffekt bei Reisen nach Afrika ist mit Sicherheit, dass wir Europäer von dem energieraubenden Jetlag verschont bleiben. Lediglich eine Stunde beträgt in Namibia der Unterschied zur mitteleuropäischen Zeit. Ausgangspunkt der Rundreise war die namibische Hauptstadt Windhoek, was auf Deutsch so viel bedeutet wie ‚Windiges Eck‘. Im Flughafen wurden wir bereits von Sakky erwartet, der für die kommenden Tage unser Guide, Busfahrer, Entertainer, also unser Mann für alles sein sollte. Vom Flughafen ging es direkt in das Zentrum der Hauptstadt. Dort angekommen, waren wir überrascht wie sehr man den deutschen Einfluss im Stadtbild Windhoeks noch bemerken konnte. Neben typisch deutschen Straßennamen ähnelten auch zahlreiche Häuser uns gewohnter Baustile. Während der Fahrt durch die Straßen, der auf 1650 Meter über den Meeresspiegel gelegenen Stadt, erklärte uns Sakky anschaulich, inwieweit die deutsche Kolonialzeit noch bis heute das Leben der Namibier beeinflusst. Sogar Brot, Wurst und Bier werden noch bis heute nach deutscher Handwerkskunst hergestellt. Dass es sich bei Windhoek um das politische und wirtschaftliche Zentrum Namibias handelte, konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, denn mir macht hier alles eher den Anschein einer quirligen Kleinstadt. Unsere Unterkunft war das Olive Groove Guesthouse im Herzen der Stadt, von wo aus wir am Abend noch eine private Erkundungstour unternahmen. Natürlich ging der abendliche Spaziergang nicht mehr allzu lang, da wir am nächsten Morgen in die Kalahari aufbrachen. Der feine, rote Wüstensand der Kalahari verteilt sich auf eine Gesamtfläche von über 1,2 Millionen km2 und zählt damit zu den größten, geschlossen Sandflächen der Welt. Streng genommen, gehört die Kalahari zur Trocken- und Dornbuschsavanne. Das typische Landschaftsbild zeichnet sich demnach nicht nur durch die großen, roten Sanddünen aus, sondern auch durch üppig bewachsene Flächen mit Wüstengräsern und Akazienbäumen. Besonders Letztere stellt den Lebensraum für die artenreiche Fauna der Halbwüste dar, wo man Springböcke, Antilopen, Oryxe, Straußen, Stachelschweine uvm. antreffen kann. Wer nach Namibia reist, macht dies sicherlich mit einem ganz besonderen Hintergedanken. Eine Pirsch in der Dornbuschsavanne, auf der man die sogenannten ‚Big Five‘ aufspürt, gehört einfach dazu. Wer Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard vor die Linse bekommen möchte, dem rate ich besonders zu einem Besuch der Etosha Pfanne, einer Region die sich vortrefflich für eine Game Reserve eignet. Für uns ging es an diesem Tag in Richtung Sossus Vlei und wir passierten dabei das Mariental und die Maltahöhe. Angekommen standen wir in einer von Sanddünen umschlossenen, ausgetrockneten Lehmpfanne (=Vleis). Die gewaltigen Sanddünen am Rand der verkrusteten Lehmebene versetzten die gesamte Gruppe in ehrfürchtiges Staunen. Die Dünen, die uns umzingelten gehören zu den Größten der Welt und ragen punktuell auf bis 320 Meter in den Himmel hinein. Mit ihren scharfen Kanten und ihrer rotschimmernden Farbe bildeten sie für einen unvergleichlichen Kontrast vor dem Tiefblau des Himmels. So konnten sogar Hobbyfotografen wie wir sensationelle Bilder schießen. Nach einer kurzen Nacht in der Wüste ging es für uns bei Sonnenaufgang in den Namib Naukluft Nationalpark, welcher als größter Wildpark Afrikas gelistet ist. Ab Parkeingang hieß es zunächst Umsteigen in einen robusten 4WD Jeep, denn von hier aus ging es über wacklige Sandpisten in das Herz der Wüste. Ziel dieser abenteuerreichen Pistenfahrt war der Big Daddy, den es für uns zu besteigen galt. Zum Glück waren wir Frühaufsteher, denn später hätten wir uns zweifelsohne, ganz schön die Sohlen verbrannt! Der Anstieg war schweißtreibend, nichtsdestotrotz wurden wir mit einem unvergleichbaren 360° Ausblick über die Wüste belohnt. Nach diesem herrlichen Erlebnis besuchten wir den Dead Vlei. Die Sonne stand bereits ihrem Zenit und die zwei Kilometer durch den heißen Sand, bei gnadenloser Mittagshitze war eine Erfahrung für sich. Mit einem offenen Geländewagen wurden wir am späten Abend in das Namib Dune Star Camp befördert, um fern der Zivilisation und urbanen Lichtverschmutzung die Sterne zu betrachten. Das Camp liegt geschützt an einer versteinerten Düne der „Ur-Namib“ und bietet den Besuchern ein ganz besonderes Wüsten Ambiente. Strom gab es nur im Restaurant und auch nur so viel, wie tagsüber durch Solarzellen gesammelt wurde. Die Nacht wollte ich natürlich im Freien verbringen. Das Bett, dass auf glücklicherweise Rollen stand, wurde ohne lange zu überlegen auf Terrasse geschoben. Getrübt wurde diese unvergessliche Erfahrung nur durch einen spontanen aber nicht minder starken Regenguss, den es so nur selten in der Wüste gibt. Diese Nacht war die kürzeste von allen, da eine Wanderung in den Sonnenaufgang geplant war. Nach der nächtlichen Dusche unter freiem Himmel war das aber kein Problem. Auf unserer Wanderung zeigte uns Sakky was in der Wüste so alles kreucht und fleucht. Denn eines stimmt wirklich: „die Wüste lebt“! Bei einem deftigen Frühstück in der Desert Lodge kamen wir dann auch rasch wieder zu Kräften, bevor wir uns auch schon in Richtung Swakopmund via Solitaire verabschiedeten. Der Ort Solitaire besteht nur aus einer Tankstelle, einem Laden, einer Kapelle und einer Bäckerei, die durch den vortrefflichen, deutschen Apfelkuchen berühmt wurde. Kurios sind die zahlreichen Autowracks, die am Straßenrand liegen und oftmals als Blumenkästen für Agaven genutzt werden. Auf den Weg an die Küste nach Swakopmund passierten wir den Gaub Pass und den Kuiseb Canyon, die landschaftlich ein ganz anderes Bild von Namibia vermittelten. In nur wenigen Tagen hatten wir so gut wie alle Landschaftszonen Namibias kennengelernt und waren erstmals am Strand angekommen. Hier gönnten wir uns ein frisches und nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier. Unser Hotel mit dem passenden Namen ‚Strand‘ lag an einer Mole und war von drei Seiten vom Atlantik umgeben. Swakopmund stellte für uns die letzte Station der Seminarreise dar, wo wir im Anschluss an die Rundreise, das Kernseminar hielten. Bei Ankunft in unserem Hotel gönnten wir uns eine kurze Verschnaufpause, bevor wir dann mit den intensiven Round Table Gesprächen und Workshops in die zweite Tageshälfte starteten. Hier vertieften wir unser Wissen zum facettenreichen Produkt Namibia und konnten unsere Erfahrungen mit den Teilnehmern der anderen Gruppen und zahlreichen touristischen Partnern vor Ort teilen. Unseren letzten Abend verbrachten wir glücklicherweise in der Wüste. Allein für diese traumhaften Sonnenuntergänge würde ich sofort wieder nach Namibia reisen. Selten hat mich die Abendsonne so verzaubert wie in der Namib. Bei Champagner und frischen Austern blickten wir auf die tollen Erfahrungen der vergangenen Tage und auf diese unvergessliche Seminarreise zurück.
  • Huber Reisen
    13. Aug. 2018

    Mit der diesjährigen Gruppenreise (2018) erfüllte ich mir gleich zwei Kindheitsträume: Einmal das sagenumwobene Macchu Picchu mit eigenen Augen zu sehen und natürlich eine Fahrt auf dem Titicacasee. Nach der Reise wissen meine lieben Wegbegleiter und ich, dass Peru noch viel mehr zu bieten hat als Ceviche, Panflötenmusik und Lamas. Ich freue mich Euch meine persönlichen Eindrücke zu dieser Rundreise zu schildern und wünsche viel Spaß beim Lesen meines Reiseberichtes. Außerdem bedanke ich mich nochmal herzlich für die tolle Begleitung, die die Rundreise zu diesem unvergesslichen Erlebnis gemacht hat. Station 1: Frankfurt – Panama City Am 29. April ging es zur Mittagszeit mit Lufthansa von Frankfurt direkt nach Panama City, wo wir einen eintägigen Zwischenaufenthalt geplant hatten, um dem namhaften Kanal und der aufstrebenden Metropole einen Besuch abzustatten. Bereits im Landeanflug bekamen wir einen kleinen Eindruck von der riesigen Einfahrt der künstlichen Wasserstraße und sahen die unzähligen Schiffe, die darauf warteten die Schleusen endlich passieren zu dürfen. Wir landeten erst gegen Abend und waren nach unserem Welcome Drink im Riu Plaza bei tollem Ausblick über die Stadt ehrlich gesagt auch schon reif fürs Bett. Am nächsten Morgen nach dem Frühstück wurden wir bereits von unserem Reiseleiter Adrian erwartet, der uns an die Miraflores Schleusen brachte, um uns die lange Entstehungsgeschichte des Kanals zu erklären (den Ferdinand de Lesseps 1881 begonnen hatte zu bauen). Im Anschluss stand der Besuch des „Casco Viejo“, also dem alten Stadtkern Panama Citys auf dem Tagesplan, der uns mit seinen bunten Fassaden seiner Kolonialhäuser und den prunkvollen Kathedralen und Kirchen begeisterte. Übrigens: das Viertel, das auch unter dem Namen San Felipe bekannt ist, ist UNESCO Weltkulturerbe und ein Muss für jeden Kultur-, Geschichts-, oder Architekturliebhaber! Den krönenden Abschluss in Panama bildete der Besuch des Fischmarktes, wo wir bei frischem Fisch Ceviche, Muscheln und einem kühlen „Balboa“ die typische panamaische Straßenküche probieren durften. Am Abend ging dann unser Weiterflug nach Lima mit COPA Airlines. Peru wir kommen! Station 2: Lima Der Startpunkt unserer lang ersehnten Rundreise war das San Antonio Executive Hotel im Stadtteil Miraflores in Lima. Von hier aus hatten wir es nicht weit zu den zahlreichen Attraktionen der peruanischen Metropole und konnten dadurch direkt in die fremde Kultur eintauchen. Gleich um die Ecke des Hotels befand sich die Huaca Pucllana, eine gigantische Lehmziegelpyramide, die vor über 1000 Jahren erbaut und jahrhundertelang als Gebets- und Zeremonienstelle genutzt wurde. Mittlerweile ist dieser steinerne Kolloss umringt von den niedrigen Wohnhäusern der heutigen Stadtbevölkerung und zentrale Anlaufstelle zahlreicher Tagestouristen. Im Anschluss führte uns unser Reiseleiter in den Bosque El Olivar von San Isidrio, hinter dem sich, wie der spanische Name schon vermuten lässt, ein riesiger Olivenhain verbirgt. Rustikale Olivenpressen und uralte Olivenbäume erinnern an Antonio de Riviera, der die Olive 1560 nach Peru brachte und die ersten Bäume an diesen Ort pflanzte. Die über 1500 Bäume bieten heute nicht nur 15 Vogelarten Unterschlupf, sondern schenken auch tausenden Stadtbewohnern einen Ort der Ruhe und der Erholung. Meinen persönlichen Höhepunkt erlebte ich mit der Ankunft auf dem Plaza Mayor, dem zentralen Platz und geographischen Nullpunkt des historischen Limas. Um den Platz herum versammeln sich der Erzbischöfliche Palais, das Rathaus und der Präsidentenpalast. In diesem prunkvollen Ensemble wurden bis 1822 Stierkämpfe und sogar Hinrichtungen abgehalten. Von hier aus erkundeten wir die bunten Gassen der Altstadt und stießen auf das Kloster San Francisco, mit seiner uralten Bibliothek und seinen Katakomben mit über 70.000 Gebeinen. Den zweiten Tag in Lima begannen wir mit einem Spaziergang über den lokalen Markt von Miraflores, auf dem bereits in den früheren Morgenstunden geschäftiges Treiben herrschte. Das Besondere an diesem Marktspaziergang war die Kombination aus exotischen Früchten, den bunten, traditionellen Kleidern und dem Marktgeschrei der Verkäuferinnen, die mein Herz sofort höher schlagen ließen. Außerdem begeisterte uns die Vielfalt an Kartoffeln, die uns von den lokalen Bauern geboten wurde. Die sonst so einfache Knolle zeigte sich uns in ihren unterschiedlichsten Formen und Größen. Natürlich kommen auch Liebhaber von Kunstausstellungen und Museen in Lima ohne Abstriche auf ihre Kosten. Am zweiten Tag der Rundreise standen einige der namenhaften Galerien auf unserem Programm, so zum Beispiel das Archäologische Museum von Rafael Larco Herrera, das Freilichtmuseum „Park der Liebe“ oder das Schokoladen Museum. Ein Spaziergang durch den Kennedypark mit anschließendem Abendessen im Larcomar rundete unseren Aufenthalt in Lima vortrefflich ab. Station 3: Lima - Arequipa (2335m) Am nächsten Tag starteten wir frühmorgens mit der LAN Peru von Lima nach Arequipa. Nach eineinhalb Stunden Flugzeit kreisten wir bereits über der „Weißen Stadt“, die ihren Namen durch den weißen Vulkanstein erhielt, der hauptsächlich zum Bau der Stadt verwendet wurde. Die Stadt liegt 2335 Meter über Meeresniveau und inmitten der peruanischen Anden-, Vulkanlandschaft. Die zahlreichen Fünf- und Sechstausender begrüßten uns Neuankömmlinge und versetzen uns ehrfürchtig ins Staunen, durch den uns dargebotenen Anblick. Direkt nach Ankunft in der Stadt stiegen wir in unseren Bus und starteten mit einer ersten Stadtrundfahrt, die uns gleich einige der schönsten Ecken der Arequipas aufzeigte. Das Zentrum bildete der Plaza de Armas, der von der Iglesia San Agustin, der großen Kathedrale und dem Rathaus eingerahmt wurde. Nach einem leckeren Mittagessen besuchen wir dann das Kloster Santa Catalina aus dem 16. Jahrhundert, das mir neben seiner Größe, vor allem durch seine bizarre Geschichte über das spartanische Leben der jungen Klostermädchen in Erinnerung blieb. Unser Hotel, Casa Andina, lag direkt am Plaza de Armas und bot mit seiner Dachterrasse einen wundervollen Ausblick über die Stadt und zu den umliegenden Vulkanen: Pichu Pichu und Misti. Station 4: Colcatal – Chivay – Cruz de los Condores Nach einem tollen Frühstück fuhren wir Richtung Colcatal, das mit seiner Tiefe von 3400m und 100m Länge, die tiefste Schlucht der Erde ist. Die Fahrt durch das peruanische Hochland übertraf bei Weitem meine Erwartungen, denn anstatt einer kargen Mondlandschaft passierten wir Seen- und üppige Graslandschaften, auf denen unzählige wilde Alpakas, Vicunjas und Lamas grasten. Im Gegensatz zur Alpakawolle, die für den nationalen Markt vorgesehen ist, geht die feinere Wolle der Vicunjas direkt nach Italien, wo sie zu teuren Kleidungsstücken weiterverarbeitet und verkauft wird. An diesem Tag passierten wir die höchste, uns zugängliche Stelle. Auf 4930 Meter Höhe war die Luft zwar schon sehr dünn, die Aussicht aber umso besser! Angekommen in unserem kleinen Hotel, Casa Andina, in Chivay spazierten wir über den den lokalen Markt und lernten dort den peruanischen Nackthund kennen, der für die Peruaner mit seinen 37°C Körpertemperatur auch gerne mal als „Wärmflasche“ genutzt wird. Am Nachmittag ging es für uns dann weiter in die Thermalquellen „La Calera“, wo wir nach der langen Überlandfahrt entspannen konnten. Die Nächte der Rundreise waren für gewöhnlich immer sehr kurz, aber allein aufgrund der immensen Vorfreude auf die spannenden Programmpunkte hätte ich persönlich sowieso nicht länger schlafen können. Dieses Mal klingelte der Wecker um halb 5 Uhr morgens, denn wer die großen Kondore beim "in die Lüfte steigen" beobachten möchte, muss wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und früh aufstehen. Der Andenkondor ist im Übrigen der größte flugfähige Vogel der Welt, der stehend eine Höhe von bis zu 1,20 Meter erreicht und eine Flügelspannweite von bis zu 3 Metern haben kann. Trotz seines Gewichts von bis zu 12 Kilogramm kann er stundenlang fliegen, indem er, insbesondere während der Morgenstunden, die Luftströmungen für den Gleitflug nutzt. Das frühe Aufstehen hatte sich wieder einmal gelohnt, denn wir konnten über eine Stunde die kreisenden Kondore beobachten, bevor sie wieder in der Felsschlucht verschwanden und dem Spektakel ein rasches Ende setzten. Vom Cruz de los Condores ging es dann nochmal über den höchsten Pass und dann weiter in Richtung Puno an den Titicacasee, wo wir erst abends eintrafen und von den vielen Meerschweinchen im Garten des Hotels begrüßt wurden. Station 5: Titicacasee Der folgende Tag widmete sich voll und ganz dem sagenumwobenen Titicacasee. Einer meiner ganz persönlichen Höhepunkte, auf den ich mich bereits vor Reiseantritt so sehr freute. Der Gebirgssee auf 3810m Höhe ist gleichzeitig der größte schiffbare See der Welt du misst 194km in der Länge und 80km an der breitesten Stelle. Unser Weg führte uns zunächst zur Anlegestelle der traditionellen Schilfboote, um von dort aus zu den Uros Inseln überzusetzen. Unsere ortskundige Reiseleiterin Olga brachte uns das traditionelle Leben der Uros, der lokalen Bevölkerung vom Titicacasee nahe. Die Urps leben vor allem von dem Verkauf ihrer Erzeugnisse aus der der Fischerei, Ackerbau und Weberei. Ein ganz besonderer Bestandteil im Leben der Uros sind ihre schwimmenden Inseln, die sie seit Jahrhunderten aus Schilf bauen und sie damals vor feindlichen Angriffen vom Festland schützten. Das Totora Schilf ernten sie direkt am Seeufer und dient ihnen als Brennmaterial sowie als wichtigster Baustoff für ihre Boote, Häuser und für ihre unverwechselbaren Kunstwerke. Bei unserem Rundgang auf der Insel wurde uns gezeigt, wie sumpfige Stellen der Insel ausgebessert werden, indem frisches Schilf in das bestehende Treibgut eingewebt wird. Durch das ständige Leben auf dem See und der hohen Feuchtigkeit leiden die meisten Uros an Asthma und Rheuma, sodass die jungen Generationen mehr und mehr das Interesse am traditionellen Leben auf dem See verlieren. Natürlich war unser Tag am Titicacasee mit dem Besuch der Uros noch längst nicht vorbei. Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, ging es auf die 36km von Puno entfernte Insel Taquile zu den strickenden Männern. Diese stricken im Akkord Mützen und buhlen damit um die Gunst der heiratsfähigen Damen auf der Insel. Die Tradition besagt: Je strenger die Mützen gestrickt sind, desto höher sind die Chancen für den Mann, von der Damen als zukünftiger Ehemann ausgewählt zu werden.Demnach entscheidet die handwerkliche Begabung über das Liebesglück der peruanischen Männer. Zumindest die, der Männer auf Taquile. Nach unseren Inselbesuchen fuhren wir weiter in die nahegelegene Stadt Puno, die wir zum Glück gemütlich vom Bus aus erkundeten. Station 6: Reisetag: Puno - Cusco Es war unser längster Reisetag. Glücklicherweise waren die peruanischen Reisebusse für die langen Überlandfahrten sehr luxuriös und komfortabel ausgestattet. Unterwegs passierten wir Passhöhen von 4300 Metern und dabei einige sehr kleine und ärmlich wirkende Bergdörfer. Über die Ortschaften Juliaca, Pukara, La Raya erreichten wir schließlich die Kirche San Pedro de Andahuaylilas. Die Kirche mit der schlichten Lehmziegelfassade ist auch als die „Sixtinische Kapelle der Anden“ bekannt und lässt von außen nicht auf die Schätze in ihrem Inneren schließen. Leider galt in der Kirche striktes Fotografierverbot. Nur zu gern hätte ich mir ein bildliches Andenken von der glänzenden, mit Blattgold verzierten Decke geschossen. Gegen Abend trudelten wir schließlich im quirligen Cusco ein, wo wir bereits von Nina, unserer Reiseleiterin, erwartet wurden. Station 7: Cusco – Machu Picchu Am ersten Tag besuchten wir den Korichancha Tempel, der während der Blütezeit die reichste Zeremonienstätte der Inkas war. Seine mit Gold und Edelsteinen reich besetzten Wände wurden jedoch zu Zeiten der spanischen Conquista geplündert, sodass von seinem ehemaligen Prunk leider nicht mehr viel zu sehen war. Das Kloster Santo Domingo wurde von den Spaniern, wie bei vielen anderen prähispanischen Zeremonienstätten, direkt über den Tempel errichtet. Ein Sinnbild, das die spanische Überlegenheit gegenüber der indigenen Bevölkerung und über deren Religion darstellen sollte. Die Kathedrale von Cusco stellt das christliche Zentrum dar und blickt auf eine schon fast 500 jährige Geschichte zurück. Der Bau begann bereits 1560 und dauerte beinahe 100 Jahre. Auch sie steht auf einem ehemaligen Inkatempel, dem Palast von Huirachocha. Nach dem Tagesprogramm spazierten wir durch die Altstadt Cuscos und starteten ein kleine private Museumstour durch das Historico Regional, das Museo Arte Popular und das Museo de Sitio Goricanga. Am frühen Morgen des zweiten Tages fuhren wir in das nahegelegene Dorf Chinchero, das auf einer Höhe von 3772 Meter liegt. Der Grund für den Besuch der Ortschaft waren die kleinen, traditionellen Textilwerkstätten, in denen die typisch peruanischen Kleidungsstücke produziert werden. Wir besuchten zunächst eine Bauernfamilie, die uns zeigte, wie sie die hofeigenen Alpakas und Lamas scheren, dann die frische gewonnen Wolle waschen und anschließend färben. Besonders interessant war es für uns zu sehen, wie die Peruaner aus den Rohstoffen der Natur und ihrer Umwelt, die Farben extrahieren und damit wunderschöne, bunte Kleidungsstücke kreieren. Wir lernten allerhand über natürliche Farbstoffe und den Prozess des Färbens auf über 3500 Meter Höhe. Ein weiterer Punkt auf dem Tagesprogramm war der Besuch prähispanischer Salzsalinen, bei denen salzhaltiges Wasser in über 3000 künstliche Becken geleitet wird, wo es dort von der Sonne zum Verdunsten gebracht wird. Nicht weit entfernt, im Dorf Moray, konnten wir dann ebenfalls noch ein ehemaliges Getreidelabor der Inka besuchen, das zunächst an ein griechisches Amphitheater erinnerte. In dem in Terrassen angelegten „Labor“ testeten die Inka verschiedene Kornarten sowie unterschiedliche Bewässerungs- und Anbaubedingungen, um Fortschritte in ihrer Landwirtschaft zu erreichen. Am letzten Tag trieb uns die Reiseleitung bereits um 4 Uhr morgens aus den Federn. Zuerst fuhren wir mit dem Bus eineinhalb Stunden nach Ollantaytambo. Von dort aus nahm uns die Peru-Rail mit auf eine zweistündige Panoramafahrt, entlang des Urubamba Flusses zur Talstation von Machu Picchu. Nach einer letzten und sehr kurvenreichen Busfahrt erreichten wir jedoch schließlich das Eingangstor von Machu Picchu. Endlich waren wir da! Die oftmals in Nebel gehüllte Inka Stadt (seit 1983 UNESCO Weltkulturerbe und seit 2007 neues Weltwunder der Antike) zeigte sich bei schönstem Bilderbuchwetter. Die auf 2350 Metern errichtete Inkastätte wurde glücklicherweise nie von den Spaniern entdeckt und lässt bis heute die Herzen vieler Besucher höher schlagen. Ich denke, unsere Fotos sprechen für sich! Station 8: Puerto Maldonado Nach Tagen in großer Höhen flogen wir nach unserem großen kulturellen Höhepunkt für zwei Tage nach Puerto Maldonado ins Amazonasgebiet. Mit kleinem Gepäck nahmen wir Platz in einem Fischerboot, das uns zur Lodge Cortes Amazonia brachte. Auf unserer nächtlichen Bootspirsch kamen wir ganz nah an die Amazonas Krokodile heran und kamen in Kontakt mit der Tierwelt des peruanischen Regenwalds. Auf einem dreistündigen Spaziergang am nächsten Morgen stapften wir, ausgerüstet mit Gummistiefeln und Regencape, durch das Dickicht und beobachteten die heimischen Vögel und Fischotter in freier Wildbahn. Die Nacht zuvor hatte es aus allen Eimern geschüttet, sodass der Ausflug ohne Gummistiefel mit Sicherheit eine ganz schöne Sauerei geworden wäre! Auch am nächsten Tag gingen wir auf Pirsch und besuchten einen riesigen Felsvorsprung, der das Heim tausender grünleuchtender Sittiche darstellte. Es war ein ohrenbetäubendes Geschrei, das noch bis weit in den Urwald hinein zu hören war. Abends ging es dann mit dem Flugzeug zurück nach Lima. Station 9: Lima und Rückflug nach Deutschland Die Hauptstadt hatte uns wieder und nach den zwei Wochen in den Bergen und im peruanischen Amazonasgebiet kam uns der urbane Großstadtdschungel noch viel belebter und lauter vor, als wie vor zwei Wochen. Nichtsdestotrotz konnten wir an unserem letzten Abend noch ein paar neue Ecken erkunden, bevor wir uns schlussendlich von Peru verabschieden mussten. Die Kulisse, die uns im künstlerisch geprägten Baranco Viertel bot, war atemberaubend. Und der Sonnenuntergang an Limas Küstenstraße lud uns zum Verweilen ein. Peru hatte mich verzaubert und meine Erwartungen an die Rundreise wurden in diesen zwei Wochen mehrmals übertroffen. Zum Glück gibt es auf dem lateinamerikanischen Subkontinent noch so viel zu entdecken, sodass ich bereits jetzt sicher weiß, dass man auf einer der nächsten Rundreisen die spanische Sprache sicherlich gut gebrauchen kann.
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